Ad Fraud: Der Elefant im Raum, den keiner sehen will?

Wir schreiben das Jahr 2021. Warum zum Teufel erkläre ich Ihnen digitalen Ad Fraud? Es geht um eines der größten illegalen Geschäfte im digitalen Bereich. Ich gebe zu, dass ich diesem Thema bislang nicht wirklich Aufmerksamkeit geschenkt habe. Und ich denke, dass ich hier nicht alleine bin. Lassen Sie mich mit einer Geschichte starten, wie ich auf diesen Elefanten im Raum aufmerksam geworden bin.

Es begann mit den Aufstieg von Programmatic Advertising, der automatisierten Ausspielung von Werbung passend auf Ihre Zielgruppen. Ich schaue mir immer Analysen an, und als Inhaber eines kleinen Unternehmens muss ich den ganzen Tag auf Analysen schauen. Und mit dem Aufkommen von Programmatic haben wir angefangen, Dinge wie 30 % CTRs, 50 % Klickraten, 0 % Bounce-Raten und solche Dinge zu sehen. Und all das kam mir sehr seltsam vor. Das machte für mich keinen Sinn, denn Menschen sind einfach nicht so sehr an Ihren Anzeigen interessiert.

Ich sah, wie unsere Optin-Raten unseres Cookie Consent Banners absanken. Das korrelierte sehr stark mit dem Traffic, den wir mit Programmatic Advertising einkauften. Wir sahen also einen ansteigenden Anteil der Sitzungen, die den Banner nur eingeblendet bekommen, aber gar nichts im Banner anklickten. Unsere Website lässt sich aber gar nicht nutzen, wenn man nicht im Banner irgendeiner Stufe zustimmt!

Ich habe angefangen, herumzufragen: „Warum passiert das? Warum bekommen Werbebanner 30% Klickrate?“ Keiner konnte mir das erklären. Also fing ich an, der Sache auf den Grund zu gehen.

Dr. Augustine Fou ist Experte auf dem Gebiet von Ad Fraud und hat unzählige Analysen und Vorträge über das Thema bereits gehalten. Beispielhaft hier.

Seine Quintessenz: Im Grunde genommen sind es böse Jungs, die Geld mit all den Werbeausgaben verdienen, die Online Marketingverantwortliche in die digitale Welt stecken.

Es ist ein Incentiveproblem, kein Ad Tech Problem

Je mehr ich darüber nachdachte, desto perfekter erscheint mir dieses Fake-Ökosystem:

Keiner der Beteiligten hat ein eigenes intrinsisches Interesse tatsächlich Ad Fraud aufzuspüren. Lassen Sie mich kurz auf alle Beteiligten eingehen. Dazu zunächst ein kurzer Abriss, welche Parteien bei Programmatic Advertising beteiligt sind.

Nun gehe ich nacheinander auf die verschiedenen Beteiligten ein und erkläre, warum keiner wirklich Interesse hat, den Elefanten im Raum wegzuräumen oder gar wirklich anzusprechen.

Ad Exchanges haben kein Interesse an der Aufklärung

Sie verdienen mehr Geld, wenn es mehr Volumen gibt, das durch ihre Ad Exchange geht. Wenn wir also feststellen, dass 50 % des Volumens betrügerisch sind, würden sie viel weniger Geld verdienen, als mit Anzeigenbetrug. Also schauen einige einfach weg, weil sie sagen: „Es ist nicht unsere Aufgabe, danach zu suchen. Wir sind nur die Anzeigenbörse. Es ist Ihr Job als Vermarkter. Wenn ihr das Geld verbrennen wollt, ist das euer Problem.“ Sie werden also diese Ausrede parat haben. In anderen Fällen wissen sie, dass es passiert, aber sie ergreifen absichtlich keine Maßnahmen. Alle Mittelsmänner haben also ein Motiv, nicht nur wegzuschauen, sondern es in manchen Fällen sogar absichtlich geschehen zu lassen.

Die Markttheorie, dass sich bessere Trafficqualität aka weniger Ad-Fraud auf einer AdExchange durchsetzen wird, scheint hier ebenfalls nicht zu gelten. Wenn alle Ad-Exchanges schlechte Bot-Traffic Scansoftware einsetzen, die ihnen zurückspielt nur 1% wäre invalid Fraud Traffic, wird sich doch auch keine Ad-Exchange die Mühe machen, weiter danach zu suchen. Sie haben wie oben festgestellt zusätzlich ein intrinsisches Interesse, mehr Volumen über Ihre Ad-Exchange laufen zu lassen, daher liefe solch ein investigatives Vorgehen auch entgegen der eigenen(leider nur kurzfristig gedachten) Profit-Interessen.

Ad Fraud Detection Tools haben kein Interesse an der Aufklärung

Sie kennen vielleicht Ad Fraud Tools, die versprechen, den Anzeigenbetrug automatisiert aufzuspüren und zu blockieren. Meiner Erfahrung nach sieht man hier aber Prüfungsmethoden auf der rudimentärsten Ebene. Wenn Sie diese Unternehmen fragen, wie genau geprüft wird, dann sagen sie so etwas wie :“Ja wir haben diese und jene Betrugserkennungstechnologien gekauft, ja wir prüfen auch dieses und jenes..“ Aber keiner von ihnen versteht wirklich, wie es funktioniert, oder weiß überhaupt, wonach sie suchen müssen.

Wenn Sie ihnen also die Folgefrage stellen, „wie… Wie zum Teufel überprüfen Sie das?“ Sie wüssten nicht, was sie sagen sollten. Unglücklicherweise stellen die meisten Mediaagenturen oder Online Marketingmanager diese Fragen nicht in der Tiefe. Und alles nimmt weiter seinen Lauf. Ich stelle provokant auch einmal die Frage in den Raum: Würden Sie an Ihrem eigenen Geschäftsmodell sägen? Ich meine, diese Unternehmen verdienen doch genau deswegen ihr Geld. Wären Sie wirklich gut darin, Ad Fraud aufzuspüren und zu blockieren, dann gäbe es doch das Unternehmen langfristig gar nicht mehr?

Media-Agenturen haben kein Interesse an der Aufklärung

Media-Agenturen werden je nach Vertragsstruktur häufig auf Basis des ausgegebenen Mediabudgets bezahlt. Selbst wenn Onlinemarketing Manager stark genug waren und hier anders verhandelt haben, werden sie in den meisten Fällen dennoch positiv davon profitieren, wenn mehr Budget über sie investiert wird. Somit gehen die Agenturen vereinfacht gesprochen zu den Ad Exchanges und fragen nach dem größtmöglichen Volumen, da sie ja letztlich ihren Mediaplan erfüllen müssen. Denn ihre Marketingabteilung hat mit ihnen verhandelt, dass sie als Media-Agentur für 100 Milliarden Impressions sorgen. Die meisten realen Orte haben aber keine 100 Milliarden Ad-Impressions zu verkaufen, daher werden Sie je enger das Zeitfenster der Marketingkampagne wird, verzweifelt bei jeglichen Exchanges anfragen, ob irgendwer noch Volumen und Inventar zu egal welchem Preis hat.

Diese Longtail Seiten haben aber nicht den benötigten humanen Traffic, weil man außerdem nicht im voraus genau genug sagen kann, wieviele Leute tatsächlich vorbeischauen werden und die Anzeigen dann sehen würden. Das ist nicht verlässlich. Verlässlich ist es Traffic von einem Botnet zu kaufen. Sie wissen genau, wieviel es kosten wird für 100 Milliarden Impressions auf diesen Seiten zu sorgen. Auf Knopfdruck wird also der benötigte „Traffic“ und damit die Ad Impressions erzeugt.

Die Berichte sind normalerweise rein basierend auf Quantitätsmetriken wie Impressionen, Anzahl der Klicks etc. Hier wird also nicht auf die richtigen Dinge optimiert. Wenn Ihre Agentur nicht die richtigen Fragen stellt und Reportings auf dieser Stufe abliefert, dann obacht! Auch Besuche auf der Seite allein sind kein Indiz für menschliche Besucher – Bots können auch auf Anzeigen klicken!

Hinweis an alle Marketingabteilungen: Verträge auf Impressionbasis sollten möglichst auf härtere Ziele wie Leads/ Conversions umgestellt werden. Somit haben auch die Agenturen ein stärkeres Interesse an einem sauberen Kampagnenverlauf.

Das perfekte Ökosystem

Wir haben also ein perfektes Ökosystem, in denen mehrere Beteiligte in Situationen kommen, in denen sie, wenn sie nicht liefern, ihre Verträge brechen würden.

Daher haben sie alle ja scheinbar doch auch ein Interesse daran, diesen Fake Traffic aufzuspüren. Wie aber könnten Leute es nicht sehen, dass es sich um Fake Traffic handelt?

Weil wir uns heutzutage bequem auf die Ad Fraud Detetion Tech Unternehmen verlassen, deren Job es nicht wirklich ist, den Ad Fraud aufzudecken, sondern zu beruhigen. Ihr Job ist es nur, dass sich jeder sicher genug fühlt, um weiter zu kaufen.

Onlinemarketing Abteilungen haben kein Interesse an der Aufklärung?

Um das Bild noch zu komplettieren, hier eine weitere Theorie, da ich es auch in verschiedensten Unternehmen schon beobachtet habe. Obwohl sie eigentlich Interesse daran haben sollten, gute Resultate fürs Unternehmen zurückzuspielen, werden sie ebenfalls perverser weise in die falsche Richtung incentiviert.

 „Wenn wir nicht am Ende des Jahres unser gesamtes Werbebudget aufgebraucht haben, wird es nächstes Jahr entsprechend gekürzt. Das können wir nicht zulassen.“

Mit dieser Logik nehmen die Werbetreibenden auf Unternehmensseite bewusst in Kauf, dass Schrott-Traffic eingekauft wird. Alles nur, damit das Werbebudget nicht gekürzt wird und sie nächstes Jahr das gleiche bzw. besser noch: mehr ausgeben können.

Schauen Sie sich manche Profile von Marketingverantwortlichen auf Xing oder Linkedin an. Manche rühmen sich damit, wieviel Budgetverantwortung sie in ihrem Unternehmen tragen. Es hat auch einen persönlichen psychologischen Effekt. Sie müssen ihr Budget ausgeben, sonst riskieren sie, dass es nächstes Jahr gekürzt wird. Daher finden Sie jede Möglichkeit, das Budget einerseits auszugeben und andererseits es so korrekt wie möglich aussehen zu lassen. Daher kaufen sie auch diese Ad-Fraud Berichte in denen steht: „Hier gibt’s es nichts zu sehen“.

Hier gibt es nichts zu sehen! Gehen Sie bitte weiter.

Selbst wenn sich ein pfiffiger Praktikant mal aus der Deckung traut und aufzeigt, dass es sich größtenteils um Schrott-Traffic handele, wird doch keiner auf die Idee kommen, daraus Maßnahmen zu ergreifen? Das würde bedeuten: Weniger Budget, mehr Arbeit mit dem Mediaplan, weniger Prestige. Sie würden es ihren Vorgesetzten doch nicht sagen, wenn so etwas rauskäme, dass es bei ihren Werbekampagnen Ad Fraud Probleme gäbe.

Stellen Sie sich kurz vor, Sie haben in eine Werbekampagne 10 Millionen Euro letztes Jahr in digitale Werbung investiert. Und wir gehen wirklich ganz konservativ nicht von 90% oder 50% Fraud aus, sondern nur von 10% aus. Das ist doch immer noch wirklich erschütternd hoch, oder?

Jetzt müssen Sie ihrem Vorgesetzten die Wahrheit sagen:

„Hey Boss, ich habe 10 Millionen letztes Jahr ausgegeben, davon waren 1 Millionen betrügerische Anzeigen. Wie sieht‘s mit einer Gehaltserhöhung aus?“

Sie würden doch alles dafür tun, um so etwas zu möglichst effektiv zu verheimlichen, oder?

Das Problem ist kein Ad-Tech Problem, sondern in meinen Augen ein Incentive Problem. Es geht hoch bis zu den Marketingverantworlichen selbst, die das Budget verantworten.

Dieses Ökosystem ist perfekt aufeinander abgestimmt, alle beteiligten Parteien profitieren enorm von diesem selbstverstärkenden Effekt. Daher wird auch keiner etwas dagegen unternehmen.

Wie groß ist der Eisberg?

Wenn Sie sich anschauen, wieviele Menschen sich mit digitalen Inhalten wie Internet, Social Media und anderen Geräten wie Computer, Smartphones, Tablets, TV beschäftigen pro Tag:

Fällt Ihnen etwas auf? Bei über 11 Stunden pro Tag, wann gehen die Leute noch arbeiten und schlafen?

Wenn wir dazu die digitalen Werbeausgaben daneben legen und den durchschnittlichen Medienkonsum daneben legen, dann begann schon im Jahr 2010 sich hier ein ernstzunehmendes Entfernen aufzutun.

Der maximale Medienkonsum hat ein Plateau seit über 15 Jahren erreicht. Dennoch steigen die digitalen Werbeumsätze in Millionen weiterhin an. Inflationsbereinigt sind wir hier dennoch etwas größerem auf der Spur meiner Meinung nach.

Dieses Gap könnte potenzieller Betrug sein. Ich betone könnte, da sich diese Werbeausgaben immer mehr von der tatsächlichen menschlichem Verhalten entfernt hat.

Es gibt eine begrenzte Anzahl an Stunden pro Tag, eine begrenzte Anzahl an Menschen auf der Erde und diese generieren eine begrenzte Anzahl an Medienaufmerksamkeit.

Mittlerweile sagen die Nielsen Zahlen(US als Vergleich): „Leute schauen durchschnittlich 3,5 Stunden pro Tag TV, haben 3,5 Stunden Smartphonekonsum und sind durchschnittlich 5 Stunden mit anderen Medien beschäftigt“ Wenn Sie diese Zahlen alle addieren, muss die Frage erlaubt sein, wer von uns soviel wirklich konsumieren kann neben Job, Schlafen, Familie und des restlichen Alltags? Daher gibt es seit einigen Jahren ja das Phänomen des Parallelkonsums, um diese Entwicklung noch weiter irgendwie halbwegs glaubhaft zu rechtfertigen.

Also sitzen die Leute vor dem laufenden TV und konsumieren mit ihrem Smartphone gleichzeitig. Ernsthaft: Selbst, wenn wir alle Menschen 24 Stunden pro Tag nonstop mit ihren Smartphones surfen lassen würden – ohne Schlaf – und gleichzeitig die Kiste im Hintergrund läuft. Wir kommen immer noch nicht auf die Trilliarden Anzeigeneinblendungen, die im digitalen Marketing heutzutage gehandelt werden.

Im Jahr 2018 wurden im US-Markt beispielsweise 273 Milliarden Dollar in digitale Werbung investiert. Wir nehmen diesen Markt jetzt als Vergleich für einen sehr gesättigten Markt: Der Split der Anzeigenbudgets war ca. 10% zu bekannten großen Mainstream Publishern mit bekannten Medienkanälen und Publikationen. 90% von dem Kuchen gingen über Google und Facebook zu anderen Werbeplätzen, den sogenannten Long Tail Seiten. Manche von diesen Seiten haben Sie sicherlich noch nie gehört.  Wenn wir uns die Impressionen im Vergleich ansehen, ist der Split noch viel extremer, eher 1% bei den großen vs 99% bei den Millionen kleinen Long Tail Seiten.

Wenn Sie sich die Wachstumsraten von den Mainstream Publishern ansehen, dann wachsen sie vielleicht pro Jahr 1%, da menschliche Zielgruppen ein Plateau erreicht haben. Sie können solche Zielgruppen nicht signifikant weiter steigern, wenn Sie bereits ein großes Medienunternehmen sind. Das heißt, die Zielgruppen sind begrenzt und die Zeit, die auf diesen Seiten verbracht wird ist ebenfalls relativ konstant.

Daher können die Mainstream Publisher auch vielleicht nur 1% aller gesamten Impressionen generieren im digitalen Programmatic Advertising, weil alle diese anderen Long Tail Seiten 99% des Volumens erzeugen – die Anzahl ist schier unendlich und deren Werbepreise dafür super gering. Den Großteil dieser Seiten haben Sie noch nie gesehen oder gar besucht.

Hier öffnen sich für die bösen Jungs natürlich Tür und Tor für Betrug. Diese kleinen Longtail Seiten bekommen zum Beispiel nur Bottraffic, erzeugen damit das nötige Inventar für Ad Impressions und profitieren damit anteilig an diesem immer größer werdenden Kuchen namens Werbeausgaben. Wenn man das System hochskaliert und mit anderen Techniken (weiter unten) kombiniert, kommt man dem Ausmaß so langsam auf die Schliche.

Es gibt zwei Hauptarten von Anzeigenbetrug (CPM und CPC)

Laut dem Interactive Advertising Bureau gibt es vier Arten von digitaler Werbung:

1) CPM (Cost per Thousand), bei dem Werbetreibende für jede tausendste Werbeeinblendung zahlen

2) CPC (Cost per click), bei dem Werbetreibende nur dann zahlen, wenn sie einen Klick erhalten

3) CPL (Cost per lead), bei dem für Leads gezahlt wird

4) CPA (Cost per acquisition), bei dem ein pauschales Kopfgeld pro abgeschlossener Akquisition oder Verkauf oder ein prozentualer Umsatzanteil am Verkauf gezahlt wird.

Die ersten beiden Kategorien, CPM und CPC, machen etwa 90 % aller Ausgaben für digitale Werbung aus. Darauf richten die Betrüger ihre Aufmerksamkeit, um das meiste Geld zu bekommen; daher werden wir uns bei unserer Analyse darauf konzentrieren.

Wenn Betrüger gefälschte Websites einrichten, um mit dem Verkauf von Werbeeinblendungen Geld zu verdienen, kaufen sie Bot-Traffic. Solange die Bots ihre Arbeit machen, werden Millionen von Impressionen erstellt und auf CPM-Basis verkauft. Diese Display- und Video-Werbeeinblendungen können auf Desktop-Computern, Laptops oder mobilen Geräten erfolgen. Das Erlösmodell bleibt CPM – bezahlt für jede tausendste Impression. Suchanzeigen und „Performance“-Display-Anzeigen werden auf CPC-Basis bezahlt, d. h., es wird für Klicks bezahlt. Der Bot muss das Laden der Anzeige veranlassen und dann in einem zweiten Schritt darauf klicken, um die Werbeeinnahmen zu erzielen.

Je nach Einnahmemodell der Anzeigen wird der Bot also genau das tun, was er tun muss, um die Werbeeinnahmen zu erzielen – 1) die Anzeige laden oder 2) die Anzeige laden und anklicken. Bots werden nicht härter arbeiten, als sie müssen. Wenn Sie das Einnahmemodell sehen, können Sie herausfinden, welche Form von Betrug zu erwarten ist.

Im Folgenden werden verschiedene Techniken (fett gedruckte Begriffe) vorgestellt, die von Betrügern und Bot-Machern eingesetzt werden, um mehr Volumen zu erzielen, höhere Preise zu erhalten oder ihre Spuren besser zu verwischen. Dies sind keine neuen Formen des Betrugs, da sie auf die oben erwähnten CPM- und CPC-Anzeigen zutreffen. Beachten Sie, dass Connected TV/Over-the-Top Video Betrug auch unter CPM fällt, da diese Impressionen auf Tausend-Kontakt-Basis bezahlt werden.

Techniken, um mehr Volumen zu erhalten

Für Betrüger ist es ein Leichtes, Webseiten automatisch neu zu laden, Anzeigenplätze automatisch zu aktualisieren, Ad Stacking (5 – 100 übereinander gestapelte Anzeigen im selben Anzeigenplatz), Pixel Stuffing (das Einfügen von Anzeigen in unsichtbare 0x0 oder 1×1 Pixel breite Anzeigenplatz) oder Ad Injection (das Einfügen von mehr oder anderen Anzeigen) durchzuführen – alles, um mehr Ad Impressions zu erhalten und mehr Geld zu verdienen.

Sie können auch Rechenzentrums-Traffic (Bots aus Rechenzentren), Redirect-Traffic (Seiten, die in Endlosschleifen auf andere Seiten umleiten), Pop-Unders, Push-Benachrichtigungen, mobile Apps mit versteckten Browsern, die Webseiten laden, gefälschte Apps, die nur zum Laden von Anzeigen entwickelt wurden, oder Malware auf mobilen Geräten verwenden. Auch hier geben all diese Techniken den Betrügern eine größere Menge an zu verkaufenden Anzeigen.

Techniken, um höhere Preise zu erzielen

Wenn die Bertrüger dabei sind, höhere Preise für die Anzeigeneinblendungen und Klicks zu erzielen, können sie noch mehr Geld verdienen. Domain-Spoofing (gefälschte Websites, die sich als reguläre Websites ausgeben), Residential Proxies (Verschleierung des Datenverkehrs im Rechenzentrum, um den Anschein zu erwecken, es handele sich um einen Wohn- bzw. realen Haushalt) und bösartiger Code, der die Betrugserkennung austrickst, sind gängige Techniken, um höhere Preise zu erzielen.

Einfache Arbitrage wie In-Banner-Video (das Einfügen von hochwertigen Videoanzeigen in kostengünstige Display-Anzeigenplätze) hilft Betrügern, viel höhere CPMs für Videoanzeigen zu erzielen und gleichzeitig viel niedrigere CPMs für Display-Anzeigen zu zahlen. Und der Retargeting-Betrug ist wahrscheinlich der saftigste in dieser Gruppe – Bots besuchen Websites von medizinischen Fachzeitschriften, um sich als Ärzte auszugeben und Pharmakunden dazu zu bringen, viel höhere Preise für Retargeting zu zahlen.

Techniken, um Spuren zu verwischen

Die meisten Bots, die die oben genannten Techniken anwenden, sind auch clever genug, um ihre Spuren zu verwischen, damit sie nicht erwischt und ausgeschaltet werden. Sie wollen, dass der Geldhahn namens digitale Werbung weiter fließt. Also ändern sie Parameter in den URLs, um den Traffic so aussehen zu lassen, als käme er von legitimen, regulären Websites. Sie verwenden Click-Injection oder SDK-Spoofing, um Analysen, Attributionsplattformen und Betrugserkennung auszutricksen. Die einfachste und effektivste Methode, mit der Bots ihre Spuren verwischen können, besteht jedoch darin, das Laden der Betrugserkennungs-Tags zu blockieren, sodass sie nicht gemessen werden können (ähnlich wie Menschen, die Anzeigen blockieren).

Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, können Sie sich hier eine ganze Liste von Betrugsmethoden und deren Zweck ansehen.

Ist Ad Fraud illegal?

Ich bin kein Rechtsexperte, aber soweit ich weiß, gibt es einfach kein Gesetz gegen Anzeigenbetrug. Daher operieren die Leute völlig ungestraft. Sie werden am helllichten Tag operieren. Sie haben keine Angst, erwischt zu werden. Sie haben keine Angst, dass man sie anzeigt. Wenn eine Firma von einer Exchange abgeschaltet wird, benennen sie im Grunde alle ihre Websites um, benennen die Firma um und machen einfach weiter.  

Es ist ein großartiges Beispiel für eine Industrie und Technologie, die den Gesetzen weit voraus ist, richtig? Das Katz und Mausspiel wird jedoch auch immer so weiter gehen. Selbst wenn Politik nachzieht, sind die bösen Jungs schon wieder 2 Schritte weiter..

Der beste Weg wäre vielleicht über das Finanzamt. Vielleicht gibt es hier nicht deklarierte Einnahmen, die auch nicht anders erklärt werden könnten.

In den USA werden über 250 Milliarden im digitalen Bereich ausgegeben. Weltweit sind es 330 Milliarden. Jedes einzelne Jahr gibt es einen weiteren Topf mit 330 Milliarden Dollar, aus dem man etwas nehmen kann. Glauben Sie, das organisierte Verbrechen nimmt sich nichts aus diesem Topf?

Was kann man dagegen tun?

Zu aller erst muss das Incentive Modell gestört werden – Onlinemarketing Verantwortliche dürfen ihre Media Agenturen nicht mehr incentivieren, einfach mehr Impressions für einen geringeren Cost Per Million einzukaufen. Sonst unterstützen Sie selbst damit den Ad Fraud.

Schauen Sie in ihre eigenen Daten oder fordern Sie sie so granular wie möglich an. Messen Sie jeden Punkt in Ihrem Funnel. Angefangen von der Anzeigenperformance, den Ankünften auf Ihrer Seite und den dortigen Conversions. Vergleichen Sie die die relative Qualität einzelner Longtail Seiten. Schließen Sie die offensichtlichen Fraud-Seiten möglichst zu Beginn einer Kampagne direkt aus, damit Sie nicht nachträglich Ihrem ausgegebenen Geld hinterherrennen müssen. Fokussieren Sie sich auf die Ziele Ihrer Kampagne, auf die Conversions.

Schauen Sie sich Ihre eigenen Analytics zahlen genauer an und identifizieren Sie auffällige Muster bei dem Traffic. Kommen Sie über das gleiche Gerät, Browser, User Agent? Werden die Impressions und Sessions auf Ihrer Seite immer zur gleichen Tageszeit ausgelöst? Solche und weitere Fragen können Hinweise geben.

Benutzen Sie einfach ihren gesunden Menschenverstand um Ad Fraud zu bekämpfen. Bestehen Sie auf detailliertere Daten und Analysen und nehmen Sie dieses Thema wieder mehr selbst in die Hand. Es liegt in Ihrem eigenen Interesse.  

Fazit

Alle Online Marketingmanager, die Progammatic Advertising betreiben – egal ob inhouse oder über Agenturen – sollten hier genauer hinschauen. Je mehr detaillierte Analysen sie selbst zur Verfügung haben, desto besser. Anzeigenbetrug zu lösen ist nicht so schwer, wie die meisten Leute denken. Wenn Sie es tatsächlich lösen wollten, würden sie grundsätzlich auf ihre eigenen Analysen achten. Und gehen Sie nicht davon aus, dass sich jemand anderes für Sie darum kümmert. Vor allem, wenn Sie der Vermarkter sind, lassen Sie sich darin schulen, wie man sich Analytics ansieht, oder bitten Sie Leute wie mich um Hilfe. Achten Sie auf verräterische Anzeichen für Betrug.

Sie sollten in der Lage sein, das aus Ihren eigenen Analysen herauszufinden und dann selbst etwas zu unternehmen. Sie brauchen auch keine besonders fortschrittliche Technologie, um den Betrug zu erkennen. Das einzige was Sie wissen müssen ist, dass die bösen Jungs jederzeit über fortschrittlichere Technologie verfügen, um ihren Betrug geheim zu halten. Sie sollten also einfach nach verräterischen Anzeichen in Ihren eigenen Analytics Daten suchen und können selbst schon sehr wirksam gegen Anzeigenbetrug in Ihren Kampagnen vorgehen.

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